Oban The Macleans Young Teddy (2023)
Whiskys erzählen Geschichten. Manche laut, mit Pauken und Trompeten. Andere flüstern – und doch hallt ihr Nachklang lange im Gedächtnis nach. Der Oban The Macleans Young Teddy (2023) gehört zu letzterer Sorte. Eine Limited Edition aus der traditionsreichen Oban-Brennerei in den schottischen Highlands – mit stattlichen 50,8 % Vol., aber ohne Altersangabe. Und vielleicht ist genau das ein Hinweis: Dieser Whisky will nicht durch Zahlen beeindrucken, sondern durch Charakter.
Verkostung
Nase
Der erste Eindruck ist ungewöhnlich vertraut. Malzigkeit dominiert die Basisnote – wie frisch geöffnete Müslidose an einem Sonntagmorgen. Aber kaum hat man sich daran gewöhnt, fährt die Komplexität wie ein Doppeldeckerbus durch die Nasenhöhle: Birne, Aprikose, Mirabelle – hell, saftig, fast gläsern in ihrer Aromatik. Karamell, das an cremige Fudge-Stücke erinnert. Und dann kommt das große Pâtisserie-Ballett: Buttercroissant, Biscuitteig, Erdbeertartlett – es ist ein Frühstücksbrunch auf einem französischen Balkon. Ein Hauch von weißem Tee? Ja, tatsächlich. Subtil floral, minimal adstringierend.
Gaumen
Der Antritt ist: cremig, fast viskos. "Undefinierbar hellfruchtig" ist keine Ausrede, sondern der ehrlichste Begriff, den man hier wählen kann. Wie ein Lichtstrahl im Nebel – da ist etwas, aber es bleibt ungreifbar. Dann wird's pfeffrig – weißer Pfeffer, präzise und doch nicht aggressiv. Ein Hauch Leder? Vielleicht. Nasser Kaffeeprütt – feucht, dunkel, herb. Klingt unappetitlich, wirkt aber harmonisch. Und ganz am Rand: grüner Tabak, frisch geschnitten, fast chlorophyllig. Eine sensorische Collage, die sich jeder Linearität widersetzt. Und dennoch: faszinierend balanciert.
Abgang
Der Abgang ist die Brücke zurück zur Realität – aber er lässt dich nicht einfach gehen. Da ist gute Eiche, aber keine bittere. Ein wenig Karamell, etwas Honig, und dann – fast neckisch – ein salziger Kuss. Maritim, aber nicht küstenstürmisch. Man spürt, dass ein Sherryfass involviert war – aber nur kurz. Vielleicht lief der Whisky daran vorbei, hat kurz Hallo gesagt, aber nicht übernachtet. Anders? Ja. Abgedreht? Nein. Er hat Ecken, aber keine Kanten.
Gedanken
Marcel 88/100
Dieser Oban The Macleans Young Teddy ist ein echter Charakterkopf, der mit seiner ungewöhnlichen Aromatik und dem verspielten Finish richtig Laune macht. Kein Whisky für den schnellen Schluck, sondern für Genießer, die Lust auf eine spannende Reise abseits der Standardpfade haben. Wer Neugier liebt, wird hier mit einem charmanten Highlander belohnt, der nicht nur schmeichelt, sondern fordert – und das auf eine sehr sympathische Art.
Sascha 84/100
Der Oban The Macleans Young Teddy überzeugt durch eine gekonnte Balance zwischen malziger Süße, fruchtiger Komplexität und einer dezenten, maritimen Würze. Trotz seiner ungewöhnlichen Aromenkombinationen bleibt er strukturell klar und facettenreich, ohne unruhig zu wirken. Ein technisch sauber gefertigter Highland-Whisky, der mit 50,8 % Vol. lebendig spielt, dabei aber harmonisch und zugänglich bleibt.
Preis-Leistung: Keine Bewertung
Entdecke unsere Preis-LeistungssiegerHäufig gestellte Fragen
Warum gibt der Oban The Macleans Young Teddy (2023) kein Altersangabe an, und wie beeinflusst das den Geschmack?
Der Whisky verzichtet bewusst auf eine Altersangabe, um den Fokus auf seinen Charakter statt auf das Alter zu legen. Ohne Altersangabe können verschiedene Fässer und Reifungszeiten kombiniert werden, was zu einer komplexen, vielschichtigen Aromatik führt, die sich nicht linear entwickelt.
Welche Rolle spielt das kurze Sherryfass-Finish beim Oban The Macleans Young Teddy (2023)?
Das kurze Sherryfass-Finish verleiht dem Whisky subtile Noten von Karamell, Honig und einer leichten Salznote, die den maritimen Charakter unterstützen, ohne den Whisky zu dominieren. Es sorgt für eine harmonische Balance und verleiht dem Abgang Tiefe ohne Bitterkeit.
Wie lässt sich die Aromatik des Oban The Macleans Young Teddy (2023) im Vergleich zu klassischen Highland-Whiskys beschreiben?
Im Vergleich zu klassischen Highland-Whiskys zeigt dieser Oban eine ungewöhnlich helle, fruchtige und komplexe Aromatik mit Noten von Birne, Aprikose und Pâtisserie, kombiniert mit malzigen und leicht maritimen Einflüssen. Er ist weniger linear und bietet eine sensorische Vielfalt, die sowohl cremig als auch pfeffrig und leicht herb ist.