St. Kilian Handfilled 2025 ex Dry Gin Heimat Distillers – St. Kilian Handfilled 2025: Whisky trifft Gin im Fass
St. Kilian Handfilled 2025 ex Dry Gin Heimat Distillers

St. Kilian Handfilled 2025 ex Dry Gin Heimat Distillers

Was bin ich eigentlich? Eine solche existenzielle Krise erlebt man auch beim St. Kilian Handfilled 2025 ex Dry Gin Heimat Distillers. Dieser Whisky, exklusiv als Handfilled Edition nur in der Brennerei in Rüdenau erhältlich, ist das Ergebnis eines gewagten Experiments, bei dem ein fränkischer Single Malt in einem ehemaligen Gin Fass der schwäbischen Heimat Distillers nachreifte. Was passiert, wenn Whisky in ein Fass wandert, das zuvor mediterrane Botanicals, frische Äpfel und Wacholder beherbergte? Die Antwort lautet: eine wunderbar verwirrende Identitätskrise.

  • Single Malt
  • Deutschland
  • NAS
  • 59.7% Vol.
  • St. Kiian
  • 0

Verkostung

Nase

Wenn man das Glas zum ersten Mal an die Nase führt, passiert etwas Merkwürdiges. Der Reflex sagt „Whisky", die Nase aber flüstert „Gin?!" Der fruchtige Wacholder dominiert derart pur und unverfälscht, dass man einen Moment innehalten muss. Ist da wirklich Whisky im Glas oder hat jemand versehentlich eine Flasche Heimat Dry Gin eingeschenkt? Die Eiche versteckt sich verschämt im Hintergrund, als würde sie sich für ihre Anwesenheit entschuldigen wollen. Florale Kräuter tanzen über die olfaktorische Bühne wie mediterrane Wiesengräser an einem sommerlichen Nachmittag. Salbei, Thymian, vielleicht ein Hauch Lavendel? Alles ist da, was man von einem guten Gin erwartet, aber vom Whisky? Nun ja, der scheint gerade Pause zu machen. Beim zweiten Anlauf, wenn man der Nase eine zweite Chance gibt sich zu sortieren, kommt dann doch noch eine getreidigere Note durch, fast schon wie ein Genever, jener holländische Vorgänger des Gins. Aber auch hier: Die Botanicals haben längst das Kommando übernommen. Das Fass hat seine Gin Vergangenheit nicht nur mitgebracht, es hat sie regelrecht ins Destillat eingebrannt.

Gaumen

Am Gaumen setzt sich das Verwirrspiel fort, allerdings mit einem milderen, runderen Charakter als die Nase vermuten lässt. Die fruchtige Süße öffnet das Tor, gefolgt von ... Überraschung! ... wieder primär Wacholder. Aber diesmal mild und rund, eingebettet in eine cremige Textur, die tatsächlich an Whisky erinnert. Vanille schimmert durch wie ein schüchternes Versprechen der ursprünglichen Fasslagerung, während Rosenwasser eine fast schon parfümierte Note hinzufügt. Diese Kombination ist eigenartig, aber nicht unangenehm. Es ist, als würde ein Gin mit einem Whisky flirten, beide zu höflich, um dem anderen den Vortritt zu lassen. Die 59,70 % Vol. sind überraschend gut eingebunden, kein aggressiver Alkohol, sondern eine wärmende Präsenz, die das Ganze zusammenhält. Die Süße ist durchaus präsent, aber sie wird permanent vom botanischen Charakter des ehemaligen Gin Fasses konterkariert. Man erwartet den nächsten Moment typische Whisky Aromen wie Karamell, Toffee oder Schokolade, aber stattdessen kommen wieder Kräuter und Wacholder. Es ist, als würde man versuchen, klassische Musik zu hören, aber ständig spielt jemand Jazz dazwischen.

Abgang

Das Finish ist, seien wir ehrlich, etwas dünn für einen fassstark abgefüllten Whisky. Man würde sich mehr Länge, mehr Persistenz wünschen. Stattdessen verabschiedet sich der Dram relativ schnell, aber nicht ohne ein letztes Statement: Der Wacholder hallt nach, immer noch, immer wieder. Es ist fast schon hartnäckig, wie dieser botanische Charakter sich durch alle drei Phasen zieht. Eine leichte Trockenheit gesellt sich dazu, wärmend, aber ohne große Komplexität. Die Jugend des Whiskys wird hier deutlich spürbar. Es fehlt die Tiefe, die ein gereifter Single Malt mitbringen würde. Das Fass hat seinen Gin Charakter vollständig übertragen, aber es hat dem Whisky nicht die Zeit gegeben, eine eigene, reife Persönlichkeit zu entwickeln.

Gedanken

Marcel

Marcel 80/100

Dieser Whisky ist ein echtes Abenteuer für alle, die auf der Suche nach einem unkonventionellen Genuss sind. Die dominanten Gin-Botanicals sorgen für eine aufregende Geschmacksexplosion, die zwar die Whisky-Tradition sprengt, dafür aber umso mehr Spaß macht. Für Puristen vielleicht ein Schock, für Experimentierfreudige ein echter Hit!

Sascha

Sascha 79/100

Ein faszinierendes Experiment mit klarer Dominanz der Gin-Botanicals, das allerdings zulasten der klassischen Whiskystruktur geht. Die Balance zwischen Fasscharakter und Destillat bleibt unausgeglichen, was den Gesamteindruck etwas unausgereift wirken lässt. Trotz hoher Alkoholstärke fehlt es an Tiefe und nachhaltiger Persistenz.

Preis-Leistung: Keine Bewertung

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Häufig gestellte Fragen

Wie beeinflusst das ehemalige Gin-Fass den Geschmack des St. Kilian Handfilled 2025 Whisky?

Das ehemalige Gin-Fass prägt den Whisky stark mit botanischen Noten wie Wacholder, Salbei und Thymian. Diese Aromen dominieren Nase und Gaumen und verleihen dem Whisky eine ungewöhnliche Mischung aus fruchtiger Süße und kräuterigen Gin-typischen Charakteristika, die über die typische Whisky-Note hinausgehen.

Warum wirkt der St. Kilian Handfilled 2025 trotz 59,7 % Alkoholvolumen nicht aggressiv am Gaumen?

Die hohe Alkoholstärke ist durch die cremige Textur und die ausgewogene Balance der süßen und botanischen Aromen gut eingebunden. Dadurch fühlt sich der Whisky am Gaumen rund und mild an, ohne dass der Alkohol störend oder aggressiv wirkt.

Was erklärt das vergleichsweise kurze Finish dieses fassstarken Whiskys?

Das Finish ist verhältnismäßig kurz und leicht, da der Whisky jung ist und die Fassreifung im ehemaligen Gin-Fass vor allem die frischen, botanischen Noten betont, ohne dem Destillat genug Zeit zu geben, eine tiefere, komplexere Whisky-Persönlichkeit zu entwickeln.